Die Tage sind kurz, die Nächte eisig und die Wege mitunter von Schnee bedeckt. Keine optimalen Voraussetzungen für die LäuferInnen Österreichs. Wer es sich zeitlich und finanziell leisten kann, der etnflieht gerade in den kältesten Monaten Januar und Februar dem Winter und „flüchtet“ in die Wärme auf Trainingslager.

Was zu Zeiten des „Läufertrios aus der Südstadt“, den „drei Musketieren“ Dietmar Millonig, dem kürzlich verstorbenen Robert Nemeth und Wolfgang Konrad nur den erfolgreichsten österreichischen Läufern vorbehalten war, hat mittlerweile auch im Hobby-Bereich Einzug gehalten. Trainingslager und Laufcamps in Portugal, Spanien, Italien – oder gar Südafrika und Neuseeland sind heutzutage schwer im Trend. Doch was sind die Vorteile und warum in die ferne Schweifen, wenn die geräumte Prater Hauptallee ja doch so nahe ist?

RunInc. hat sich bei einigen österreichischen SpitzenläuferInnen nach deren Beweggründen für ein Wintertrainingslager erkundigt, ihre aktuellen Hotspots in Erfahrung gebracht und Schlüsse für Läufer wie du und ich einer sind gezogen.

Grundsätzlich lassen sich fünf wesentliche Merkmale herausstreichen, die für ein Trainingslager fern der winterlichen Heimat sprechen.

Der wichtigste Punkt ist sicherlich das Training unter klimatisch günstigen Bedingungen im Süden. Gleich ob man wie die Langstreckenläufer Valentin Pfeil und Christian Steinhammer nach Andalusien in Spanien fährt, oder wie Christoph Sander, Andreas Vojta und Jennifer Wenth sich an die Algarve in Portugal begibt: das Wetter ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wesentlich besser für das Training als daheim!

Auf der iberischen Halbinsel herrschen im Januar und Februar normalerweise Temperaturen zwischen 15-20° Celsius, dazu gibt es wesentlich mehr Sonnenschein und wenn überhaupt bloß vereinzelt Niederschläge. Der Vorteil, auch im Winter „in kurzem Shirt und Flatterhose“ (Zitat: Vojta) trainieren zu können, ist nicht zu unterschätzen. Wärmere Temperaturen fordern nämlich nicht nur unser Immunsystem weniger heraus, auch angeschlagenen Band-, Sehnen- und Gelenkspartien tun die warmen Temperaturen gut. Aus Sicht des Immunsystems ist auch die vermehrte Sonneneinstrahlung nicht zu unterschätzen, bildet der Körper doch dann mehr Vitamin-D – was für alle LäuferInnen ein großer Vorteil ist!

Ein weiterer wichtiger Vorteil eines Wintertrainingslagers ist das Training mit Gleichgesinnten in Gruppen! Wir alle kennen das: Training in der Gruppe fällt immer leichter, als wenn man sein Programm alleine durchziehen muss. Und da viele LäuferInnen diesen Gedanken hegen, versammeln sie sich im warmen Süden auch zumeist in ganzen Scharen. In der von Österreichs Top-Läufern Sander, Vojta und Wenth favoriesierten Destination Monte Gordo nahe der portugiesisch-spanischen Grenze sind im Januar alleine bis zu 100 LäuferInnen aus Deutschland zu Gast. Jennifer Wenth dazu: „Im Grunde brauchst du dich nur um 10:00 und um 16:00 Uhr vor das Hotel stellen – irgendjemanden in deinem Tempo findest du bei mehr als 100 Läufern sicher!“

Ein nicht zu unterschätzender Punkt ist die am Trainingslager mögliche Konzentration auf das Wesentliche. Im Grunde genommen fährt man zum Trainieren in die Ferne, um sich rein aus seinen Sport zu konzentrieren. Viele Profi-LäuferInnen verwenden dann gerne die Beschreibung „eat, sleep, train, repeat“ für ihren Alltag am Trainingslager. Es erfolgt also eine Reduktion auf das Wesentliche. Der größte Vorteil: die Regeneration, die auf einem Trainingslager meist den „key to success“ bildet.

In engem Zusammenhang mit dem zuvor genannten Punkt steht das Motto „Live like a pro„. Auf einem Trainingslager eben Läufer wie Profis. Es zählt eben nur Training, Essen und Schlafen. Darüber hinaus hat jeder Läufer am Trainingslager wesentlich mehr Zeit für „begleitende Trainingsmaßnahmen “ wie Stabilisations- oder Core-Training, Gymnastik oder Faszientraining mit der Blackroll oder ähnlichem.

Auch der abschließende Punkt steht in direktem Zusammenhang mit den vorhergehenden. Am Trainingslager hat jeder die Chance „raus aus dem Alltag“ zu kommen. Das heißt, ich habe nicht nur wesentlich bessere Trainingsbedingungen und mehr generell mehr Zeit für meine Trainings, sondern unterliege auch nicht den „Bürden“ und Ablenkungen des Alltags! Ich habe eine Auszeit vom Beruf, muss mich nicht um Einkäufe kümmern, habe keinerlei soziale Verpflichtungen – alles, was im Alltag mitunter starken Einfluss auf mein Training nimmt, existiert am Trainingslager gar nicht! Wenn dich das dann nicht zum Training motiviert, was denn dann?!

 

Fazit: ein Wintertrainingslager ist für jeden Läufer eine gute Sache! Gerade, wer im ländlichen Bereich unter sehr schweren und mitunter demotivierenden Trainingsbedingungen leidet, sollte zumindest eine Urlaubswoche für sein Training im Süden einplanen. Im Endeffekt muss dann dort nicht einmal viel mehr trainiert werden als daheim – Sportwissenschafter sprechen von 10-15% Umfangsteigerung gegenüber dem Training daheim. Der große Benefit ist schlicht einfach, unter besseren bis optimalen Bedingungen sein Training mit wenigen Ablenkungen durchziehen zu können und letzten Endes auch viel Motivation für die darauffolgenden Wochen daheim mitzunehmen!

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