When magic happens oder trainieren nach Plan


Words by Natascha Marakovits | Blog, Lifestyle, RunNa

5:40. Wie lange habe ich mit diesen fünf Minuten und 40 Sekunden gehadert. Bin ihnen nachgerannt, keuchend, mit hochrotem Kopf, um am Ende festzustellen, dass es wieder nicht gereicht hat, ja ich noch nicht einmal annähernd in die Nähe gekommen bin, um den damals langgehegten Traum wahrwerden zu lassen: einen Halbmarathon unter zwei Stunden zu laufen. Ich weiß nicht, wie viele HMs ich davor bereits gelaufen bin, drei, vielleicht vier. Ich zähle nicht mit. Meine Bestzeit lag bei 2:09 irgendwas. Am 1. März 2015 war es dann endlich soweit und ich konnte die zwei Stunden Schallmauer knacken. Hätte mir jemand an diesem Tag gesagt, dass ich rund ein halbes Jahr später meinen ersten Marathon Sub 4 laufen werde, ich hätte ihn ausgelacht und für verrückt erklärt.

Schon allein die Vorstellung, dass ich einmal einen Marathon laufen würde, war für mich lange Zeit völlig absurd. Doch wie heißt’s: „Unverhofft kommt oft“ oder „Es kommt immer anders, als man denkt.“

Angefangen hat alles im Herbst 2014 – ganz harmlos. Ich wollte wieder mehr laufen. Nach zwei längeren verletzungsbedingten Pausen von rund sechs Monaten in den beiden Jahren davor, wollte ich es wieder angehen. Ganz einfach, weil mir Laufen Spaß machte. Und, um doch endlich einmal die Sub 2 beim HM zu knacken und in weiterer Folge einen Marathon zu laufen. Damit ich nicht wieder nach wenigen Monaten verletzungsbedingt aus der Bahn geworfen werde, musste ich System reinbringen. Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich einfach irgendwie gelaufen, meist mit meinem Partner, was sich im Nachhinein als der größte Fehler herausstellte. Für mich war’s jedes Mal ein Tempodauerlauf (max. 10 km, dann war ich am Ende) mit null Grundlagentraining, für ihn ein gemütlicher A0-Jog. Für beide im Endeffekt – wie man auf gut Wienerisch sagt – ein Schas.

System hineingebracht hat schließlich Training nach Plan. Mein bisheriges Läuferleben wurde damit komplett aus der Bahn geworfen bzw. besser gesagt, in die richtige Bahn gelenkt. Denn ab sofort stand nicht mehr nur zu schnelles Einheitsbrei-Laufen auf dem Programm, sondern Variation mit allem Läufer-Pipapo und einem großen Ziel vor Augen: Berlin, Berlin, ich laufe in Berlin den Marathon!

Am Anfang habe ich mal ordentlich geschaut: Was, ich soll 75 Minuten durchlaufen? Wow, ich bin die Woche 40 km gelaufen?! Wenn ich mir die Trainingsprotokolle von damals anschaue, kann ich heute nur darüber lachen, wobei eigentlich staunen, denn seither hat sich so einiges getan. Neue PBs fielen im letzten Jahr am laufenden Band. Absolutes Highlight war dann eben der Marathon in Berlin. Wenn ich daran denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Die Premiere unter vier Stunden. Wieder einmal hängte sich alles an den magischen 5:40 auf. Anfangs in weiter Ferne, zeichnete sich im Training ab, dass ich es schaffen kann. „Es sind nicht unsere Füße, die uns bewegen, es ist unser Denken“, besagt ein chinesisches Sprichwort. Also fest daran glauben, am Tag X probieren und tatsächlich: der Plan ging voll auf. Wahnsinnsgefühl, unbeschreiblich, magic happens!

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Das Entscheidendste im vergangenen Jahr: durch den Plan und damit dem System fing ich Feuer, so richtig! Laufen hat mir noch nie so viel Freude bereitet. Man könnte sagen, der Spaß wuchs proportional zur Kilometerzahl am Trainingsplan. Und das aus einem einfachen Grund: es tut sich was! Auch wenn es manchmal nur kleine Schritte sind oder es einmal einen Schritt zurück geht, es gehört alles zu einem großen Ganzen – nämlich dem Spaß an der Freud beim Laufen.

Wie heißt es doch gleich: „Es sind nicht unsere Füße, die uns bewegen, es ist unser Denken.“ Mit den spürbaren Fortschritten fing ich im letzten Jahr auch an, an mich zu glauben, mir etwas zuzutrauen, an die Grenze gehen, sie auszuloten und im Endeffekt zu verschieben. Und das ist schön. Denn ja, ich bin ehrgeizig – in allen Lebensbereichen, jetzt auch beim Laufen. Habe neue Ziele, die ich erreichen möchte. Da hilft ein Trainingsplan ungemein. Dass ich dabei übers Hobbyläufermittelfeld nie hinauskommen werde, ist mir klar. Es macht trotzdem Spaß. Um es mit den Worten eines bekannten Fastfoodriesen auszudrücken: I’m lovin‘ it! Das sieht man an den fetten Grinsern – nach dem Training und vor allem jedes Mal im Ziel.

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Am 25. September ist es wieder soweit. Dann stehe ich wieder in Berlin am Start. Alle guten Dinge sind drei, wie es so schön heißt, denn es wird mein dritter Marathon. Davor werde ich kommenden Sonntag in Kärnten noch einen Halbmarathon laufen. Mit den 5:40 hadere ich dabei schon lange nicht mehr. Die magische Grenze hat sich verschoben und lautet nun 5:00. Wann ich sie knacken werde? Ich weiß es nicht. Aber ich bin bereits nah dran und vielleicht heißt’s ja wieder schneller als gedacht: magic happens!

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