Rhodos Marathon: Ein Traum vor dem Alptraum


Words by Natascha Marakovits | Blog, Lifestyle, RunNa

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„Marathon, Marathon, you run Marathon?“ Ich laufe die Strandpromende entlang und blicke mich um. Ein junger Mann schaut vom Strand herüber. „Yes I do, but not on Sunday“, denke ich mir etwas zerknirscht und bin auch schon wieder vorbei. Ich genieße die Sonne, den Traumblick aufs Meer und verdränge so gekonnt, dass sich die ursprünglichen Pläne zwangsläufig geändert haben. Schauplatz des Geschehens: Rhodos. Ich war gekommen, um zu laufen. Tat ich auch. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Bereits im Jänner flatterte die Einladung in mein Postfach: Discover Greece lud Journalisten und Blogger ein, den Rhodos Marathon zu laufen. Erste Reaktion: Wow! Denn mit Laufen in Griechenland hatte ich bisher nur die allerbesten Erfahrungen gemacht. Im November war ich den Athen Marathon gelaufen. Ein Traumlauf, von dessen Erinnerungen ich heute noch zehre.

Riesengroß daher die Freude über die Einladung. Dann der Wermutstropfen, als ich auf das Datum schaute: 9. April. Shit. Denn ich war für den Vienna City Marathon (VCM) angemeldet und wollte dieses Jahr nicht schon wieder bei der Hälfte ins Ziel abbiegen. Soll es wieder nicht sein? Der VCM und ich, wir können irgendwie nicht miteinander. Die letzten Jahre ist immer etwas dazwischengekommen, sodass es immer nur beim Halben blieb. Deshalb hieß es heuer: volle Kraft voraus. Alles ausgerichtet, damit es am 23. April perfekt angerichtet ist: mein Heimrennen.

Da es auf der griechischen Insel erstmals auch einen Halbmarathon geben sollte, entschied ich mich daher auf Rhodos die Abkürzung zu nehmen, um zwei Wochen später beim VCM mit frischen Beinen am Start zu stehen. Da wären wir wieder beim Thema: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber dazu später mehr.

Die Anreise mit Aegean Airlines klappte problemlos und der Zeitpunkt der Reise hätte nicht besser sein können: Während in Wien grauslichstes Schmuddelwetter herrschte, hatten die Griechen das perfekte Willkommensgeschenk parat: Sonne pur. Der Frühling hatte auf der Insel längst Einzug gehalten. Ein Traum.

Der blitzblaue Himmel samt strahlendem Sonnenschein lud die nächsten beiden Tage zu ausgiebigen Erkundungstouren ein: die Altstadt, ein Besuch in Lindos und vor allem eines: Die Gegend laufend erkunden, bevor am Sonntag, 9. April, das Highlight der Reise – der Halbmarathon – auf dem Programm stand.

Morgens, nachmittags oder abends – ich nützte jede Gelegenheit die Laufschuhe zu schnüren, das warme Wetter auszukosten und den Strand entlangzulaufen. Da ich nicht vorhatte den Halbmarathon auf Anschlag zu laufen, sondern nur im Easy-Going-Modus, brauchte ich auf Kilometer im Vorfeld keine Rücksicht zu nehmen. Von wegen Tapering – auskosten was geht, lautete die Devise.

Traumlauf

5.30 Uhr. Der Wecker beendet meinen unruhigen Schlaf. Ich liebe es ja frühmorgens zu laufen, aber das war selbst mir noch eine Spur too early. Doch der Start war für 7.30 Uhr angesetzt. Zieht man die eine Stunde Zeitverschiebung ab, wäre es erst 6.30 Uhr. Eigentlich genau meine Zeit, dennoch fühle ich mich wie erschlagen, als ich den Frühstücksraum des Best Western Plaza Hotels – das Athletenhotel – betrete. Kaffee und ein Stück Toastbrot mit Marmelade. Fertig. Mehr brauche ich nicht, zumindest nicht vor einem Halben. Zu meinem Erstaunen setzen sich manch andere Läufer erst an die Tische, als ich schon wieder fertig bin. Knapp eine Stunde vor dem Start. Mutig, denke ich mir. Aber jedem das Seine, wohl bekomm’s.

Wenig später geht’s auch schon zum Start. Der Vorteil: Das Hotel Best Western Plaza Rhodos liegt nur wenige hundert Meter vom Start- und Zielbereich – dem Eleftherias Square – entfernt. Kurzer Fußweg und nach dem Lauf auch schnell wieder im Hotel zum Umziehen. Perfekt.

Mittlerweile ist es kurz vor 7.30 Uhr und wir Läufer haben Stellung bezogen. Es ist ein kleines, aber feines Starterfeld. Von Gedränge keine Spur. Ganz im Gegenteil. Keine zappelnden Mitläufer ringsum, stattdessen Gelassenheit pur, nur ein kurzes Checken der Uhr, bevor schließlich der Startschuss fällt.

Die ersten Kilometer geht es die Küste entlang ostwärts. Die Strecke ist ein Traum: Zum einen zur linken das Meer, das durch die Sonne verführerisch glitzert, zum anderen zur rechten die Altstadt von Rhodos, die als Unesco Weltnaturerbe imponiert. Fünf Kilometer laufen wir die Hauptstraße entlang, dann der Wendepunkt und die selbe Strecke retour, am Start-Zielbereich vorbei. Dann heißt es go west, um die zweite Hälfte des Halben in Angriff zu nehmen.

Die Strecke ist nicht gerade die einfachste. Hügel und der Wind entlang der Küste machen einem das Läuferleben schwer. „Komm, häng dich bei uns an“, ruft mir einer zu, der mit einer Gruppe vorbeizieht. Kurz überlege ich, aber nein, ich habe keinen Biss dranzubleiben. Wobei: Biss eigentlich schon und Bock drauf auch, aber zwei Wochen vor Abreise hatte ein Medizinscheck ergeben: Wettkampfverbot. Mitlaufen durfte ich, aber nur sehr moderat. Ja nicht an- bzw. überanstrengen. Von an die Grenze gehen ganz zu schweigen. Also nix mit Gas geben. Egal. In dieser Situation konnte ich gut damit leben. Ich genieße den Lauf in vollen Zügen, denn wann läuft man schon in einer so herrlichen Gegend, lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen und hat null Stress wegen der Pace oder dergleichen.

Obwohl ich nicht wirklich schneller werde und mein moderates Tempo kontinuierlich beibehalte, hat sich die Männergruppe noch nicht wirklich weiter wegbewegt. Um die 5:40 sah ich auf meiner Uhr. Ah ja, die magische Grenze. Sub 4 sollen es also werden beim Marathon der Männertruppe. Ich bleibe bei ihnen dran und Kilometer um Kilometer nähern wir uns dem Ziel – meinem Ziel. Für sie heißt es, das ganze noch einmal. Erst ost- dann westwärts.

Erst jetzt merke ich, dass ich die ganze Zeit um die 5:40 gelaufen bin und sich somit eine Zeit von knapp unter zwei Stunden ausgehen kann. Bis dahin bin ich einfach gelaufen. Nach G’fühl. Ehrgeizig wie ich bin, will ich dann doch keine 2 irgendwas stehen haben. Ein kurzes Hineinhorchen in meinen Körper sagt mir: gib Gas. Die paar Minuten geht das sicher. Gesagt, getan. Es fühlt sich so gut an, endlich wieder zumindest ein bisschen Tempo zu spüren! Denn schon im Vorfeld hatte ich ärztliches Gebot: Du sollst nur locker laufen! So kam ich schließlich – mit etwas schlechtem Gewissen auf den letzten Metern – nach 1:59:41 ins Ziel.

Fazit: Alles in allem ein sehr schöner Lauf. Zur vierten Auflage des Rhodos Marathon gab es diese Jahr erstmals neben einem 5 und 10 Kilometer Bewerb, die eine andere Startzeit hatten, auch einen Halbmarathon. Die Strecke ist durch das Auf und Ab und die Küstennähe, die doch recht windanfällig ist, eher nicht Bestzeiten tauglich. Das Starterfeld ist sehr überschaubar. Doch gerade das macht es irgendwie aus. Klein aber fein. Wer also auf der Suche nach einem Frühjahrsmarathon abseits der überlaufenen Klassiker ist, kann auf Rhodos fündig werden. Sonne satt und Meerblick inklusive.

Dass dies mein letzter längerer Lauf für Wochen bzw. Monate sein wird, wusste ich da noch nicht. Vier Tage später sollte mein Läuferleben komplett aus der Bahn geraten. Nix mit VCM. Es sollte auch dieses Jahr nicht sein. Doch das ist eine andere Geschichte.

Die Einladung erfolgte, wie bereits oben erwähnt, von Discover Greece und wurde von Aegean Airlines und Best Western Plaza Hotel Rhodos unterstützt. 

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