Gelaufen für die, die es nicht können


Words by Natascha Marakovits | Blog, Events, Lifestyle, RunNa, Warum Laufen?

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Gut Ding braucht Weile, lautet ein altbekanntes Sprichwort. Der Wings for Life World Run ist definitiv ein gutes Ding und bis ich die Zeit fand, darüber zu schreiben, brauchte leider eine Weile. Egal. Es geht in diesem Beitrag auch gar nicht so sehr um mich, sondern um das großartige RunInc Team, das am 7. Mai exakt 1531,73 Kilometer zurückgelegt hat.

Insgesamt 71 Teilnehmer waren im Team mit dabei, im Durchschnitt wurden 21,57 Kilometer gelaufen. Damit belegte das RunInc Team den 29. Platz von insgesamt 3312 Teams. Aufgrund der großartigen Leistung möchte ich heute einige der Teilnehmer vor den Vorhang holen und sie ihre Geschichte erzählen lassen, warum, wieso und überhaupt. Das war der Wings for Life World Run 2017. Here we go:

Emil Jaidhauser wurde mit 46,74 km Teamsieger:

Ich bin bereits zum drittem Mal in Folge dabei, weil es einfach eine tolle Sache ist, wenn man Menschen helfen kann und das gesamte Startgeld für die Forschung verwendet wird. Dieses Jahr war das oberste Ziel die Marathondistanz zu erreichen. Die ersten Kilometer verflogen relativ schnell, da entlang der Strecke ziemlich viel Publikum eine tolle Stimmung machte. Ab der Praterbrücke wurde es für mich dann etwas mühsamer, da ich das schnelle Tempo nicht mehr gewohnt war und auch zunehmend meine Verletzungen spürte. Auch einige Lauffreunde die ich letztes Jahr noch locker hinter mir lies überholten mich dann.

Die schnellste Frau Karin Freitag lief bei km 22 auch noch locker an mir vorbei. Ab der Arbeiterstrandbadstaße bei Gegenwind wurde es zunehmend schwieriger das Tempo zu halten. Mein Distanzziel immer im Kopf, lies mich zusehends öfter auf die Uhr blicken und rechnen, ob es sich ausgeht. Als ich dann noch auf Andi Goldberger mit seinem Radbegleiter bei km 35 auflief und ihn stehen ließ, musste ich ihm einfach anfeuern und zurufen „diesmal schaffst du die Marathondistanz“. Nach knapp unter 3:04 hatte ich dann mein Minimalziel erreicht und konnte dann noch entspannt bis km 46,74 locker Auslaufen. Bei der Rückfahrt im Bus hatte ich dann auch noch ein nettes Plauscherl mit Andi Goldberger.

Da ich verletzungsbedingt schon vorher wusste, dass es dieses Jahr ziemlich schwer wird, waren die zwei Anfeuerungen meiner Frau Barbara und ihrer Freundin Marielle in der Babenbergerstraße und Lassallestraße die schönsten Momente während dem Lauf.

Im nächstem Jahr werde ich natürlich wieder dabei sein und vielleicht mal an einem anderen Ort.

Uschi Steurer lief gemeinsam mit ihrer Familie und schaffte 8,57 Kilometer:

Wir laufen jedes Jahr als Familie mit, weil es der einzige Lauf weltweit ist, bei dem wir sicher sind „Gutes zu tun“. Hier gehen die kompletten Einnahmen an die Rückenmarksforschung und das finden wir einfach toll. Außerdem finden wir es gut, dass jeder mit jedem läuft, dass es gar nicht wichtig ist, welche Zeit man erläuft, sondern einfach nur dabei ist!

Vorgenommen, wie weit wir kommen, haben wir uns gar nichts – wir wollten einfach nur dabei sein! Auf meinem Trainingsplan vom Carsten Eich sind zwar 10 Kilometer gestanden, aber das hab ich nicht ganz geschafft, weil ich komplett auf Regen eingestellt war und mich zu einem Trottel geschwitzt hab. Philipp (unser Sohn) läuft nur einmal im Jahr – nämlich den WingsforLife – auch er wollte einfach nur dabei sein und mit uns am Start stehen – als Familie die Gutes tut. Und Marius, unser 5-Finger-Läufer, meinte er geht es ganz gemütlich an, tja, das waren dann fast 20 Kilometer.

Zwei Momente sind mir besonders in Erinnerung: Die schlimmste Passage war der Berg rauf, von der Wienzeile zum Westbahnhof. Den hasse ich, der ist so hinterhältig, der zwingt mich immer zum Gehen! Dieses Jahr hat uns ein Rollstuhlfahrer überholt und alle, wirklich alle Läufer sind stehengeblieben und haben geklatscht und ihn angefeuert. Hut ab vor so viel Kraft in den Armen!

Und dann hatte ich echt mit den Tränen zu kämpfen, als mein Sohn mich am Ring überholte und ein Stück gemeinsam mit mir lief und sagte: Mama, sei nicht böse, ich weiß, du willst nicht, wenn jemand neben dir läuft den du kennst! Du bist ja unsere Einzelkämpferin und redest nur mit Fremden. Aber gerade bei so einem Lauf, komm, laufen wir ein Stück gemeinsam und sind wir froh, dass wir es noch können und nicht in einem Rollstuhl sitzen.

Andreas Breiteneder (am Bild li.) war das erste Mal dabei und legte 28,13 Kilometer zurück:

Ich bin dieses Jahr das erste Mal beim WfL Run mitgelaufen, weil mich die Art des Laufes, nämlich das „so weit kommen, wie möglich“, gereizt hat. Auch der dahinterstehende Zweck und die in diesem großartigen Rahmen weltweit gleichzeitige Abhaltung des Events waren ein Ansporn.
Das gesteckte Ziel lag bei 27 Km, welches ich um mehr als einen Kilometer überbieten konnte. Meine bisher weiteste durchgehend absolvierte Strecke. Explizit vorbereitet habe ich mich nicht. Der Lauf war eine wunderbare Möglichkeit meine maximal mögliche Lauf-Distanz in einer schnellen Zeit zu testen.

Der schönste Moment für mich war das Erreichen des persönlich gesteckten Ziels, noch dazu, weil Kilometer 27 einfach bergab „laufen lassen“ bei der Reichsbrücke bedeutete – nach dem wirklich harten Anstieg auf der Brücke noch zusätzlich der Hammer!

Wirklich hervorzuheben sind die gute Organisation und der großartige Support der Leute an der Strecke. Zwischenzeitliche Tiefs sind dadurch fast wie weggeblasen. Das Motto des Laufes in Kombination mit dem Catcher-Car sorgen für die einzigartige Stimmung beim WfL Run. Nächstes Jahr wieder!

Line Drechsler lief 12,62 Kilometer und verpasste nur knapp ihr oberstes Ziel:

Ich bin das zweite Mal mitgelaufen bzw das dritte Mal, wenn man das erste Mal mit dem virtuellen Zugang auch zählt. Dieser Lauf war vor drei Jahren meine Motivation überhaupt mit dem Laufen zu beginnen. Ich fand und finde diese Veranstaltung faszinierend. Ein toller Zweck, tolle Strecke, lustige Aufmachung (einmal was Anderes von der Ziellinie eingeholt zu werden). Alles sind gut drauf. Aber das Faszinierendste: dass auf der ganzen Welt gleichzeitig Leute für die gleiche Sache laufen. Das hat mich damals (und heute noch immer) einfach gepackt!

Ich hatte drei Ziele. Nachdem ich ja leider noch immer nicht super schnell bin, wollte ich aber zumindest 10 km als Minimalziel erreichen. Erreichbares Ziel war dann noch wieder bis zum Start – dem Rathausplatz zu kommen – also 11 km). Sehr hoch gesetzt war das dritte Ziel – 13 km. Das habe ich knapp verpasst. 12,62 sind es geworden. Wenn einen das Auto einholt und alle schreien und nochmal so richtig Gas geben, das ist schon sehr emotional mit richtigem Gänsehautfeeling!

Wfl ist für mich ein ganz besonderer Lauf. Ohne ihn hätte ich unter Umständen nie zu laufen begonnen (und somit auch mein Mann Michi nicht, weil ich zuerst damit angefangen hab). Wenn einem das Auto einholt und alle schreien und nochmal so richtig Gas geben ist schon sehr emotional!!! Richtiges Gänsehautfeeling!!!

Tja und zu guter Letzt doch noch ein paar Zeilen über meinen Wings for Life:

„Laufen für die, die es nicht können.“ Vom Zeitpunkt her hätte der Lauf nicht besser sein können. Im März bekam ich erstmals zu hören: „Das müssen wir uns genauer anschauen. Bis dahin keine Belastung“, sagte mir mein Gegenüber im weißen Kittel. Aus „keiner Belastung“ wurde drei Wochen später „kein Sport. Wir wollen kein Risiko eingehen“. Das war es dann vorerst mit dem Laufen. Wieder drei Wochen später dann eine erste Entwarnung. Moderates Laufen war wieder erlaubt. Das war am 2. Mai. Dem Wings for Life stand somit nichts im Weg. Jubel, Freudenschreie. Ich durfte wieder. Und da wurde mir bewusst, wie es sein muss, wenn man gar nicht mehr laufen kann – nie mehr. Ein Wahnsinn, ein Horror, unvorstellbar.

„Sei froh, dass du nicht im Rollstuhl sitzt“, hatte ich während meinem Sportverbot zu hören bekommen. Tja eh, es gibt immer etwas Schlimmeres. Aber wenn die Leidenschaft Marathon auf dem Spiel steht, es fraglich ist, ob man jemals wieder etwas anderes machen kann, außer dahin zu trotten, zieht es einen im ersten Moment schon den Boden unter den Füßen weg. Meine Marathonkarriere stand zwar weiterhin in den Sternen, doch zumindest konnte ich beim Wings for Life mit dabei sein und locker mitlaufen.

Umso freudiger stand ich daher an diesem 7. Mai am Rathausplatz und lief für diejenigen, die vom Arzt nie mehr ein OK bekommen werden. Es war das zweite Mal, dass ich bei dem Event dabei war. Der Start dieses Jahr war mit Abstand mein emotionalster Moment, denn da wurde mir bewusst, wie sehr ich es vermisst hatte. Ich konnte, durfte wieder. Gänsehaut, beinahe Tränen. Was hatte ich die letzten Wochen Angst gehabt. Und jetzt: was für ein Feeling!

Elf bis max. 13 Kilometer hatte ich mir vorgenommen. Bei 12,87 holte mich das Catcher Car ein. Alle rund um mich jubelten. Ich auch. Distanz und Zeit in diesem Jahr völlig egal. Ich konnte laufen. Für diejenigen, die es nicht können!

Mit Sicherheit ein Pflichttermin auch im nächsten Jahr in meinem Laufkalender.

 

 

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