Warum immer Hauptallee?!?


Words by Daniel Marik | Blog, Hit & Run

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Ich bin Rennradfahrer!

Mit dem Rad reicht mein Aktionsradius an schlechten Tagen bis zum Rand des Wienerwalds, an guten fliege ich geradezu über Straßen und Wege und lande auch schon mal hundert Kilometer entfernt von meinem Startpunkt. Die Landschaft wechselt, manchmal auch die Jahreszeiten und Menschen, die man am Weg trifft. Diese Abwechslung bringt Dynamik und Spaß in die Sache, lässt meine Trainingseinheiten manchmal kürzer erscheinen als sie tatsächlich sind.

Ich bin auch Läufer!

Vielleicht auch Jogger, oder doch Herum-Streuner, Genießer – die Definitionen oder was einen Läufer von einem Jogger unterscheidet möchte ich hier gar nicht erst antasten! In diesem Fall geht es tatsächlich auch gar nicht um Leistungsaspekte.

Sophienalpe

Es geht hier und heute nur darum, WO wir laufen! Welche Ansprüche stellen wir an Laufstrecken, wieviel Abwechslung benötigen wir bei unseren Einheiten und warum laufen wir ständig nur die Prater-Hauptallee auf und ab?

Eine LiebesHassLiebesHassLiebe!

In rechtem Winkel zur meistbefahrenen Straße Österreichs (der Abschnitt der Südosttangente bei der Praterbrücke) liegt die meistbelaufene Straße Wiens – die Prater Hauptallee. Knapp über vier Kilometer Asphalt auf einer gnadenlosen Gerade! Gut, es gibt Kilometermarkierungen, bis auf ein paar wenige Fehlgeleitete keine Autos und man ist nie alleine unterwegs! Die „PHA“ ist hervorragend für Intervalle geeignet, nicht viel nachdenken – die Uhr vibriert – Turbo einschalten – geradeaus – die Uhr vibriert – danke! Manche derer, die uns entgegenkommen oder die wir überholen kennen wir persönlich und es ist eine Freude, wenn man sich über den Weg läuft. Andere kennen wir vom Sehen, an Grüßen ist hier nicht mehr zu denken – ständig müssten wir sonst die Hand heben oder lässig mit dem Kopf nicken. Ein paar „Läufer-Persönlichkeiten“ treiben sich auch auf der Hauptallee herum, meistens sind sie nicht wegen außergewöhnlichen Leistungen bekannt, eher wegen liebenswerten Schrullen, egal ob Oben-Ohne-Laufen bei Minusgraden, besondere Laufhaltungen oder musikuntermalte Auftritte. Sie machen die Hauptallee zu einem Habitat, in dem wir uns wohlfühlen – more of the same! Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Abwechslung muss her!

Es ist ein Luxusproblem – ich wohne am Rande des Praters und die Hauptallee ist mir zu langweilig. Wobei wir uns ja an sich schon glücklich schätzen können, eine derart große Grünanlage mitten in der Stadt zu haben. Was bleiben mir für Alternativen?

Lusthaus

Es war eine Art Epiphanie, als ich zum ersten Mal übers Lusthaus hinaus gekommen bin und die kleine Schleife nach hinten zum Golfplatz (Richtung Hafen Wien) gelaufen bin. Plötzlich keine Menschen mehr, tiefster Wald und großartig zu laufender Waldboden – der Genießer in mir jubilierte! Doch der Weg dorthin führt mich über die Hauptallee…hm. NEXT! Die Donauinsel und die zwei Donauufer liegen eigentlich auch vor meiner Haustür! Das Genießen fällt mir dort allerdings eher schwer. Großflächiges Versagen der Stadtplanung und damit wenig Attraktivität am Südufer, die Donauinsel ist schon mit dem Rad eine Nervenprobe und das Nordufer meist windgeplagt. Der Donaukanal ist meistens ein anspruchsvoller Spießrutenlauf zwischen Bars, Restaurants und Flaneuren. Augarten, Türkenschanzpark und Schönbrunn haben für mich den Charakter von Inseln – schön, aber irgendwie zu klein und beengt. Bin ich zu anspruchsvoll?

Aufs Land! In den Wald!

Ich bin nicht in Wien aufgewachsen, war gewohnt zumindest in ein paar Minuten im Wald sein zu können. Den südlichen Wienerwald hab ich teilweise schon unter die Laufschuhe genommen, mich sofort in den weichen Waldboden, den Holzgeruch und die frische Luft verliebt! Wien wäre nicht eine der lebenswertesten Städte der Welt, hätten wir nicht auch den großartigen Wienerwald zu bieten! Ist das die Lösung für mein Dilemma? Intervalle auf der Hauptallee und genießen in Wald und Gelände? Die Auswahl an Schuhen für Läufe im Gelände ist groß, ansonsten muss man sich nicht allzu sehr umstellen. Ich habe keinen Trainingsplan und auch noch keine spezifischen Laufziele für das nächste Jahr – OK, ich will meine Halbmarathon-Bestzeit von 1:58 verbessern, aber das geht auch ohne Trainingsplan. Dafür nehm ich mir die Freiheit heraus, zu machen was ich will – zu laufen wie und wo ich will!

Lindkogel

Die Uhr vibriert heute nicht, um ein Intervalltraining auf der Hauptallee zu eröffnen! Und ob es heute ein Schnitt von 5:25 oder von 6:35 wird, ist mir egal. Heute hole ich mir meine Abwechslung und damit eine große Portion Motivation und Freude, damit ich das nächste Mal auf der Hauptallee wieder gerne auf den Startknopf drücke!

Hameau

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