Kein Plan!


Words by Daniel Marik | Blog, Hit & Run, Lifestyle

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Strava ist ein großartiges Tool! Ich sehe, was meine Freunde so treiben und kann mich von ihren Aktivitäten und Routen inspirieren lassen. Mit der Kartenfunktion kann ich mir meine Routen am Bildschirm zurechtklicken und kann damit völlig überraschungsfrei auf meine Laufrunde gehen. Diese Ecke nehm ich heute noch mit hinein in meinen Lauf – moment… diese Zacke in meinem Höhenprofil… – diese Ecke lasse ich heute doch lieber weg. Egal wo ich bin, ich sehe, wo schon jemand gelaufen ist, welche Strecken die Beliebtesten sind (auch wenn ich keinen der Menschen kenne, die diese Segmente schon in Angriff genommen haben) und ich weiß schon vor dem Weglaufen, wie lange ich ungefähr brauchen werde – die Badewanne kann für 18:30 eingelassen werden! Perfekt, oder?

In Zeiten vor Strava (noch etwas weiter davor hatten wir auch noch keine Mobiltelefone, GPS-Uhren oder überhaupt Internet) sind wir einfach gelaufen. Die meisten hatten ihre Standardstrecken, man hat ungefähr gewusst, was auf einen zukommt, die eigenen Zeiten hat man ohnehin gekannt. Das Ganze war dann meistens noch mehr oder weniger penibel in eine Liste (oder je nach Fortschrittsstand) in einem Excel-File eingetragen. Streckenliste – check! Trainingstagebuch – check! Nicht, dass ich mir diesen Zustand wieder zurückwünsche, ich liebe meine Gimmicks, Gadgets und Apps. Aber wo bleibt das Abenteuer, das Ungeplante und Spontane?

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Ein Plädoyer für die Spontanität!

Einer der schönsten Aspekte am Laufen ist doch, dass man es überall machen kann, ja – ÜBERALL! In Urlauben, auf Dienstreisen, bei verlängerten Wochenenden, in der Nähe und in der Ferne. Eine kurze Hose, ein Funktionsshirt und die Laufschuhe haben noch immer in meinem Gepäck Platz gefunden. Ich erinnere mich sehr gerne an einen Morgenlauf vor einem geschäftlichen Termin auf einen Hügel mit Blick über die Altstadt von Bologna, einen Lauf entlang der Save durch Zagreb, eine Erkundung im lehmigen Schlamm hinter einem Touristen-Hotelbunker am Strand von Chalkidiki und an Läufe auf Lanzarote, wo ich mich in der Abenddämmerung plötzlich auf dem Wüsten-Planeten Tatooine aus Star Wars wiederzufinden glaubte! Im Nachhinein betrachtet war da relativ wenig Plan dahinter – ich hab meine Laufschuhe angezogen und bin in den erstbesten Weg eingebogen.

Das vergangene Wochenende hab ich in der wunderbaren Südsteiermark verbracht. Nicht gerade als Laufparadies bekannt, allenfalls hat man schon einmal vom Welschlauf gehört – berühmt-berüchtigt aufgrund der mörderischen Topologie des Austragungsorts und der Tatsache, dass an den Labestationen edle Weine ausgeschenkt werden. Meine Laufschuhe hatte ich jedenfalls dabei, Zeit war gerade da, das Wetter zwar nicht verlockend aber (noch) trocken – Laufschuhe schnüren und los!

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Angewandtes Chaos!

Straße runter – aufs Feld, einem kleinen Weg nachjagen, am Waldrand entlang zur nächsten Siedlung. Wegweiser für Nordic Walking-Routen und Wanderwege schicken mich zwischen kahlen Rebstöcken einen Hügel hinauf, auf der anderen Seite wieder hinunter. Ich laufe durch Bauernhöfe, Hunde schauen mich entweder verdutzt an oder kommen ihrem Job als Aufsichtsorgan nach und bellen in meine Richtung – ich laufe schneller, der Puls geht hoch! Das nächste Schild schickt mich in den Wald, zentimeterhohes Laub lässt mich nur erahnen, auf welchem Untergrund ich laufe. Nur mit Müh und Not weiche ich einem Feuersalamander aus, der sich genau wie ich über den unwegsamen Waldboden plagt.

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Regen setzt ein, das Laub unter meinen Füßen wird noch rutschiger, die Erde verwandelt sich zu Gatsch – die Durchquerung eines Weinbergs lässt mich mit jeweils einem Kilo Erde an meinen Schuhen zurück. Ich hab eine ungefähre Ahnung davon, wo ich bin und wo ich hin muss, trotzdem frage ich nach dem Weg, sobald mir eine weitere Menschenseele begegnet – passiert eh selten genug. Der freundliche Mann im Arbeitsgewand schaut kurz von seiner Kreissäge auf, zieht eine Augenbraue hoch – als Zeichen des Unverständnisses, wie man überhaupt und dann noch bei so einem Wetter hier laufen gehen kann – und deutet auf drei Pappeln auf einem Hügel circa einen Kilometer entfernt. Luftlinie! Dass dazwischen noch zwei weitere Hügel liegen und sich der Weg dorthin wie eine Schlange bergab und bergauf windet, verschweigt er mir dankenswerterweise.

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Also noch einmal bergauf, bergab, durch den Gatsch, über die Wiese, zwischen den Weinstöcken durch, über Laub, auf der Straße… Die Beine sind mittlerweile müde, das eine oder andere steile Stück gehe ich flott anstatt zu laufen – egal. Über die letzte Kuppe um dann wieder am Startpunkt anzukommen! Was für eine Runde – völlig fertig, Beine tun weh, Gewand durchnässt und Schuhe verdreckt!

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Warum das Ganze?

Was die letzten drei Absätze lang geklungen hat wie Armageddon, der letzte K(r)ampf, Leiden und Schmerz war im Nachhinein betrachtet einfach nur großartig! Sicher ist da ein bisserl Schönreden dabei, aber wer von uns hat noch nicht nach einer außergewöhnlichen sportlichen Leistung am Abend noch die ganze Welt verflucht und beim Frühstück schon wieder zögerlich aber leicht grinsend den Terminkalender gezückt, um das Event für das nächste Jahr gleich wieder vorzumerken…

Um hier den roten Faden (ja, es gibt einen!!) nicht vollends zu verlieren, hier eine kurze Zusammenfassung dessen, was ich hiermit eigentlich sagen will:

Sei bereit! Hab deine Laufschuhe dabei, wenn du unterwegs bist. Wenn sich ein Zeitfenster ergibt, nütze es. Kümmere dich nicht darum, ob du das richtige Outfit mit hast, die richtigen Schuhe für den Untergrund oder ob deine Uhr aufgeladen ist oder nicht. Laufe einfach los!

Sei spontan! Mach dir nicht zu viele Gedanken über die Route, Dauer oder Intensität deines Laufs. Lauf mal schneller, mal langsamer, bieg einfach ab, wo es dir gefällt – das meiste ergibt sich unterwegs. (Außer du bist in absolut unbekannten oder gefährlichen Gefilden unterwegs, z.B. im australischen Outback, in Afghanistan oder in der tiefsten Lobau 😉 – hier kann es nicht schaden, wenn man im Notfall von jemandem abgeholt werden kann)

Genieße! Kümmere dich nicht um deine Kilometerzeiten, lass deinen Puls natürlich mit der Anstrengung mitgehen, bleib stehen und genieße die Landschaft, sammle neue Eindrücke, mache Fotos und teile sie mit uns! Mache etwas, was noch keiner vor dir getan hat und zeige es deinen Freunden auf Strava – die Anerkennung haben wir uns verdient!


Hier kannst du dir Martins Aktivität anschauen und bei der Gelegenheit auch gleich gerne dem Runinc.-Club auf Strava beitreten!

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