Regeneration. What?


Words by Natascha Marakovits | Blog, Lifestyle, RunNa

Da ist sie also, die sogenannte „Off-Season“. Gibt man den Begriff bei Google ein, kommen zuallererst Bilder von überdimensionalen Muskelpaketen und zwei Definitionen: 1. Off-Season ist die Zeit während der Spielpause zwischen zwei Saisons und wird hauptsächlich mit US-amerikanischen Ligen, wie der NBA, MLB oder NFL in Verbindung gebracht und 2. Off-Season im Bodybuilding: das ist eine zeitlich begrenzte Phase, in der es vor allem um eines geht: Muskelmasseaufbau.

Nun gut, ich gehöre weder zu Kategorie eins und noch weniger zur Kategorie zwei, dennoch ist die Off-Season bei mir gerade Thema. Weil: Die Saison ist gelaufen. Im wahrsten Sinne des Wortes abgelaufen. Drei Marathons in einem Jahr haben ihre Spuren hinterlassen. Bei den Schuhen: Zwei Paar (oder waren es drei?) landeten in der Mülltonne. Auf der Uhr: Knapp 3800 Kilometer zeigt meine bisherige Jahresbilanz. Und in meinem Umfeld. „Du bist ja narrisch“, habe ich nicht nur einmal zu hören bekommen.

Auch in meinem Kopf hat das Jahr Spuren hinterlassen: Es gab Ups and Downs, nicht jeder Lauf war super. Das harte Training über Monate. Das frühe Aufstehen. Das Quälen bei den Intervallen, die man am Ende doch so liebt und die einen pushen. Die Longruns bis zu drei Stunden, bei denen man den Kopf ausschalten kann und irgendwann in einen Flow kommt, dass man einfach nur noch läuft. Und natürlich die Wettkämpfe, Rennen oder Laufveranstaltungen – wie auch immer man sie nennen will. All das war mein Jahr. Ein großartiges Laufjahr, das nun gemütlich zu Ende geht, denn der Marathon Mitte November in Athen war mein letzter Wettkampf. Jetzt bin ich also in der Off-Season und ich weiß schon jetzt: Meine beste Freundin wird sie nicht.

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Du musst. Du sollst. Alles. Nur nicht Laufen. So lautet der Tenor in meinem Umfeld. Alternativtraining? Ja, eh. Der Funke wollte bloß bis jetzt nicht so richtig überspringen. Während ich Kraft und Stabi das ganze Jahr über gut integriert habe, sollte es dann doch noch etwas anderes sein. Möglichkeiten gibt es ja genug. Und ich habe dementsprechend einiges ausprobiert.

Um etwas biegsamer zu werden und damit an meiner größten Schwäche – der Beweglichkeit – zu arbeiten, habe ich mich beim Yoga versucht. Normales war schnell viel zu fad, also Bikram Yoga oder Hot Yoga. Verbiegen in der Biosauna quasi. Nicht schlecht. Vor allem im Winter lassen die tropischen Temperaturen ein bisschen Sommerfeeling aufkommen. Begeistern konnte es mich dennoch nicht. Ständig korrigiert und hingebogen zu werden, weil es einfach nicht so grazil aussieht, wie bei den anderen Frauen, die dehnbar wie ein Gummiringerl sind, macht keinen Spaß. Die 10er-Blockkarte war aus und die Yogamatte landete in der Ecke.

Ganz aufgeben wollte ich es dennoch nicht. Wenn schon nicht krampfhaft von jemandem zurecht biegen lassen, dann eben alleine. So gut es eben geht. Ohne Druck. Ohne „ach wie belämmert schaut das wohl gerade bei mir aus“-Gedanken. Also habe ich mir ein Buch gekauft. „Mit Yoga besser laufen“, verspricht der Titel. Erstmal habe ich es mir bequem gemacht und auf der Couch darin gestöbert. Gut erklärt, warum welche Übung was wie verändern soll. Mache ich. Morgen. Aus dem Morgen wurden Tage, Wochen und mittlerweile sind Monate vergangen. Ich glaube, zwei Mal habe ich wirklich meine Matte ausgerollt und das Buch aufgeschlagen. Ich bin einfach nicht der Yoga-Typ. Da tut sich zu wenig. Wenn ich mich bewege, will ich Action.

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Nächster Versuch: Radfahren. Seitdem ich vor einigen Jahren einen Unfall hatte, steht mein Rad im Keller. Und verstaubt. Im April, nach dem Hamburg Marathon, war es schließlich soweit: Ich wollte wieder Radfahren. Also gut. Entstauben, aufpumpen und los. Die ersten Kilometer war es wirklich super und ich merkte, wie sehr ich sie eigentlich vermisst hatte – die Freiheit auf zwei Rädern. Herrlich, wenn einem der warme Frühlingsfahrtwind um die Nase weht. Und noch besser: Man kommt in gleicher Zeit viel weiter als beim Laufen, kann sich also auch ein bisschen weiter weg bewegen. Übermotiviert tat ich das auch. Leider war dann bald Schluss mit lustig. Ein höllischer Schmerz gab mir bei jedem Tritt in die Pedale zu verstehen, dass meinem rechten Knie das gerade überhaupt nicht taugt. Na super. Und das mitten in der Pampa. Irgendwie schaffte ich es dann doch zurück – fluchend. Ein paar Mal gab ich dem Radfahren noch die Chance, es wieder gut zu machen. Sattelhöhe, Lenker, alles passt. Aber nix da. Während ich beim Laufen überhaupt nichts spüre, will mein Knie immer noch nicht in die Pedale treten. Mein Rad wieder im Keller. Und verstaubt.

Das waren nur zwei Beispiele. Von diversen Kursen, angefangen von Pilates bis zu Hot Iron in miefigen Fitnessstudios rede ich gar nicht. Einzig Spinning hätte mich begeistert, womit wir aber wieder beim Thema Knie wären…

Dann gäbe es noch die Alternative Schwimmen. Damit liebäugle ich gerade. Mal schauen. Einen neuen Badeanzug habe ich bereits gekauft. Jetzt muss ich es nur noch wagen. Und wer weiß, vielleicht springt ja da der Funke über. Schaut aber ganz danach aus, dass sich das in ähnlicher Form wiederholt, wie beim Yoga-Buch. Gekauft ist alles schnell. Nur das Umsetzen in die Praxis funktioniert noch nicht so ganz.

Ich laufe auch schon längst wieder. Aber eben im Schongang. Nach dem Marathon in Athen hatte ich mir fünf Tage Laufpause verordnet. Während ich anfangs sowieso keine Lust drauf hatte, kribbelte es nach drei Tagen bereits wieder in den Zehen und jedes Mal wenn ich meine Laufschuhe gesehen habe, fühlte es sich an, wie wenn man seine Lieblingsschokolade vor die Nase hingehalten bekommt. Zwiespalt: Ich mag, soll aber nicht oder soll ich? Am Ende hat die Vernunft entschieden: Alles mit Maß und Ziel. Man kann die Schokolade genießen, auch wenn man nicht die ganze Tafel isst. Mitunter vielleicht sogar mehr. In diesem Sinne: Laufen nach Lust und Laune. Langsam und ohne Plan. Dafür ist sie doch da, die Off-Season. Oder sollte ich doch den Badeanzug testen? Morgen. Ganz sicher.

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